Hirntod und Hirntoddiagnostik

Hirntod

Der Hirntod, offiziell als irreversibler Hirnfunktionsausfall bezeichnet, beschreibt definitionsgemäß die unwiderruflich erloschene Gesamtfunktion des Groß- und Kleinhirns und des Hirnstamms (also aller Teile des Gehirns!). Es liegt ein unwiederbringlicher Ausfall folgender Aspekte vor: lebenserhaltende Funktionen (z.B. Atmung), Bewusstsein, Sinneswahrnehmungen und Handlungen des Menschen. Der Hirntod ist naturwissenschaftlich-medizinisch gleichbedeutend mit dem Tode des Menschen.

Der Hirntod ist in Deutschland die Voraussetzung für eine Organspende. Somit kann nicht jeder Besitzer eines Organspendeausweises Spender werden. Entscheidend ist, dass ein isolierter Hirntod ohne Ausfall der Herz-Kreislauf-Funktion vorliegt, da sonst die Organe geschädigt würden. Die Atmung und die Herz-Kreislauf-Funktion werden bis zur Organentnahme künstlich mithilfe Beatmung und Intensivtherapie aufrechterhalten. Der Patient fühlt sich dabei warm an und scheint zu atmen (bedingt durch die maschinelle Beatmung). Er ist jedoch unwiederbringlich tot!
Falls die Maschine abgeschaltet werden würde, wäre der Mensch innerhalb kürzester Zeit auch im Sinne des Herz-Kreislauf-Todes als tot zu bezeichnen.

Der Hirntod ist das sicherste Todeszeichen!

Die Voraussetzung für den Hirntod ist eine schwere Hirnschädigung. Diese kann u.a. durch Verletzungen, Tumoren, Hirnblutungen, Schlaganfall oder Hirnentzündungen bedingt sein.
Die medizinische Pathogenese ist wie folgt: die Hirnzellen schwellen an, der Druck im Schädel steigt an und übersteigt den mittleren Blutdruck, was dazu führt, dass das Gehirn nicht mehr durchblutet werden kann und die Hirnzellen absterben. Hirnzellen gehören zu den am meisten empfindlichen Körperzellen gegenüber Sauerstoffmangel (Gefahr von kognitiven Einschränkungen nach Schlaganfall!) und können nicht neu gebildet werden. Dies hat zur Folge, dass durch die mangelnde Durchblutung die Funktion des Gehirns unwiederbringlich (= irreversibel) erlischt.

Hirntoddiagnostik

Die Feststellung des Hirntods stellt eine übliche Diagnostik bei Patienten mit schwerer Schädigung des Gehirns dar, um diese zu evaluieren und, wenn der Hirntod nicht eingetreten ist, weiter am Leben halten und behandeln zu können. Erst wenn der Hirntod nach unten erläutertem Verfahren diagnostiziert wurde, steht die Frage nach Organspende im Raum. Ein möglicher Organspendeausweis des Verstorbenen sowie das Angehörigengespräch entscheiden dann über die Frage, ob Organe gespendet werden, und somit auch, ob die Maschinen, wenn keine Organspende gewünscht ist, sofort, oder erst im Rahmen der Organentnahme abgeschaltet werden.

Zur Diagnose des Hirntodes gelten strenge Richtlinien. Dieser muss immer durch zwei Ärzte mit mehrjähriger Erfahrung in der Intensivbehandlung von Patienten mit schweren Hirnschädigungen unabhängig voneinander diagnostiziert werden. Diejenigen Ärzte, die den Hirntod feststellen, dürfen weder an der Organentnahme noch der Transplantation beteiligt sein.

Bei der Diagnosestellung Hirntod kommt ein 3-Stufen-Modell zum Einsatz:
1. Voraussetzungen müssen erfüllt sein, d.h. ein Hirnschaden liegt vor und umkehrbare Ursachen einer Hirnschädigung (z.B. Vergiftung, Beruhigungsmitteleinnahme, Unterkühlung, Sauerstoff-Mangel, Hirnnervenentzündungen, Stoffwechselentgleisungen, Schock) sind ausgeschlossen worden.

2. Das klinische Syndrom (= Ausfallsymptome des Gehirns) muss diagnostiziert werden. Dieses umfasst 3 Teilbereiche:
a) Der Patient ist komatös, d.h. er ist bewusstlos und zeigt weder eine Augenöffnung noch andere Reaktion auf wiederholte adäquate Schmerzreize.
b) Es liegt eine Hirnstamm-Areflexie vor. Diese zeigt sich durch lichtstarre, entrundete Pupillen, einen fehlenden Hornhautreflex, Reaktionslosigkeit auf Schmerzreize im Gesicht, das Nicht-Vorhandensein von Augenbewegungen bei Spülen des Gehörganges mit Eiswasser und das Fehlen des Würge- und Hustenreflexes.
c) Es liegt ein Atemstillstand (Apnoe) vor. Dieser zeigt sich darin, dass bei Abstellen der maschinellen Beatmung auch nach einer festgesetzten Wartezeit der Patient keine selbständigen Atemzüge durchführt.

3. Der Unwiederbringlichkeitsnachweis. Hierbei wird die klinische Untersuchung nach vorgegebener Zeit wiederholt. Es können auch apparative Zusatzuntersuchungen durchgeführt werden, z.B. ein EEG (Ausfall der hirneigenen elektrischen Aktivität) oder eine Angiographie/Perfusionsszintigraphie (Ausfall der Blutversorgung und des Stoffwechsels des Gehirns).

Alle erhobenen Untersuchungsergebnisse, das Datum, die Uhrzeit und die untersuchenden Ärzte müssen auf dem standardisierten Protokoll des wissenschaftlichen Beirats der Bundesärztekammer dokumentiert werden.

Die Hirntoddiagnostik ist ein höchst valides und anerkanntes Verfahren. Nach Etablierung dieses Diagnostikverfahrens wurde In Deutschland noch nie ein Patient fälschlicherweise für hirntot erklärt.